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… und wieder geht ein Bundespräsident
Gestern um kurz nach elf war es wieder einmal soweit: Nach nicht einmal 2 Jahren tritt der Bundespräsident Christian Wulff zurück. Auch wenn einige den Rücktritt seit Wochen herbeisehnen ist es doch ein trauriges Bild, das sich dem Betrachter bietet. Der Bundespräsident, der das wohl stolzeste Amt in der Bundesrepublik innehat, verkündet seinen Rücktritt innerhalb von fünf Minuten und das als Nachfolger eines Bundespräsidenten, der auch zurückgetreten ist
Die Frage der Medien
Schenkt man den Umfragen Glauben sehen viele Bundesbürger zumindest eine Mitschuld bei den Medien. Die Sache stellt sich aber komplexer dar. Gut, man kann sagen die Medien sind einflussreich und agieren seit Tagen und Wochen aufs Schärfste gegen den Bundespräsidenten. Giovanni di Lorenzo erwähnte zu Recht die Fragwürdigkeit manches Vorgehens. So wurde der Bundespräsident im Rahmen der Fragen, die an ihn gestellt wurden unter anderem gefragt wer bei ihm alles privat übernachtet hätte. Großen Respekt vor dem Amt scheint es wohl nicht mehr zu geben. Und spätestens seit dem Fall Guttenberg sind sich die Medien Ihrer Macht umso mehr bewusst. Sind sie doch scheinbar in der Lage selbst den beliebtesten Politiker aus dem Amt zu jagen. Sicher gab es gestern auch für den einen oder anderen Journalisten ein Schulterklopfen. Dennoch macht man es sich zu leicht den Medien die Schuld an allem zugeben. Denn was wäre die Alternative? Trotz fehlerhaftem Verhalten der Politiker nicht zu berichten? Oder im Laufe der Berichterstattung zu sagen, dass einem der “Arme” jetzt leid täte und deswegen alles vom Tisch zu fegen? Das kann natürlich nicht die Antwort sein und würde die wichtige Funktion der Medien unterminieren und unglaubwürdig machen.
Das Problem der Politiker
Im Hinblick auf die Medien haben die Politiker mittlerweile ein großes Problem: Die Informationen werden schneller. Musste man früher auf die Zeitung am nächsten Tag warten ist das Internet heute schneller. In den Online Portalen der Zeitungen und in den Social Media Portalen hat sich bereits eine Meinung gebildet und jeder kann sich auch mitten in der Nacht über den aktuellen Stand informieren. Die Politiker kommen immer mehr in die Bedrängnis auf aufkommende Fragen zu antworten ohne Zeit zu haben sich damit zu beschäftigen. Bevor sich der Politiker mit einer Frage auseinandersetzen kann gibt es schon eine intensive Meinungsbildung und aufgrund der guten Verfügbarkeit der Informationen kann jeder Laie die Aussagen auf Stichhaltigkeit überprüfen. Aber kann es sein, dass wir den Typ Politiker als welcher zum Beispiel Richard von Weizsäcker gilt gar nicht mehr zulassen? Statt sich um Ihre Aufgaben zu kümmern beschäftigen sich Politiker zunehmend mit der Außenwirkung, die ihr Auftreten hat. Aber wie kann ein Politiker der nur darauf bedacht ist den Medien zu gefallen und sein Privatleben zu verheimlichen einen guten Job machen? Wie viele Dinge sind in der Arbeit als Bundespräsident bei Christian Wulff auf der Strecke geblieben, weil er sich um andere Dinge kümmern musste.
Eines ist sicher: wir müssen davon absehen den perfekten Politiker haben zu wollen, der komplett und hundertprozentig integer ist. Würde es den Menschen geben, der Zeit seines Lebens (also beim Bundespräsidenten 40 Jahre) alles korrekt gemacht hat wäre das ein absoluter Glücksfall und derjenige sicher prädestiniert für den Posten des Papstes. Und wie kann eine Turbo kapitalistische Gesellschaft wie die unsere, die selbst keine Moral kennt erwarten dass ihr Präsident überdurchschnittlich besser ist als sie selbst. Das sind alles keine Dinge, die das Verhalten Wulffs schützen sollen oder können, aber wir sollten uns Gedanken machen welche Maßstäbe wir an unsere Politiker anlegen und ob diese Maßstäbe an uns selbst auch angelegt werden können. Die Politiker müssen sich dieser Sache ebenfalls klar werden und endlich damit beginnen zu Beginn einer solchen Hatz die Wahrheit zu sagen und Fehler einzugestehen. Sicherlich würde man und die Medien unter solchen Umständen mehr Nachsicht haben, als im Falle des wiederholten Verschleierns und Lügens
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